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Visitation der Kirchengemeinde im August 2018 siehe

Andacht

RPR1. Angedacht: Tempel für die Seele

Andacht vom 10.11.2018 von
Miriam Pönnighaus
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Die Kirchen in Billigheim

Seit 1100 Jahren: Kirchen in Billigheim

Eine vollständige Kirchengeschichte Billigheims würde sicherlich den Umfang dieser Homepage sprengen, so wurden in dem Aufsatz nur einzelne Zeitabschnitte aus der reichhaltigen Geschichte des Christentums in Billigheim etwas ausführlicher erläutert, wie Frühzeit, Erbauungszeit der alten Martinskirche und Renovierung ihres Turmes, sowie die Reformationsgeschichte Billigheims mit ihren interessanten, lokalübergreifenden Begebenheiten. So mögen sich die Interessierten wie die Billigheimer selbst ein lebhaftes Bild der frühen und bedeutenden Vergangenheit ihrer Christengemeinde machen.

1. Zur Vorgeschichte der heutigen Kirche

Die ersten Boten des Christentums kamen in der Römerzeit in die Pfalz. Der römi-sche Kaiser Konstantin wurde bei seinem Tod 337 n. Chr. Christ. Nun kam es ver-stärkt zur Bildung christlicher Gemeinden auch in den Römerstädten am Rhein. Als 391 n. Chr. das Christentum im Römerreich Staatsreligion wurde, verbot man alle heidnischen Kulte und es gehörte bereits zum guten Ton der Religion des Kaiserhauses anzugehören. Doch unter der christlichen Deckfarbe blieb lange noch heid-nische Weltanschauung und Lebensweise bestimmend.

Das römische Weltreich zerbrach unter dem Massenandrang fremder Völker. An Stelle der verlorenen weltlichen und staatlichen Autorität traten nun vielfach die christlichen Bischöfe, zunächst als Träger moralischer, dann auch als Träger staatlicher Gewalt.

Ein solches Beispiel ist Bischof Martin von Tours, erst römischer Soldat, dann Mönch, wurde er zum Symbol des Schutzherrn der Armen und Schwachen, des weitaus größten Teiles der damaligen Bevölkerung in einer kriegerischen Zeit. Als Wohl-und Wundertäter wurde er schließlich zum Bischof, und somit auch zum Träger öffentlicher Macht gewählt. Martin von Tours erreichte vieles, welches der unzulänglichen weltlichen Gewalt unmöglich war und nicht immer zu deren Freude. So wurde sein Sterbetag am 11.11.402 n. Chr. zum Martinstag, mit welchem bis heute viele Gebräuche und Feste zusammenhängen. Nahezu 1100 Jahre später sollte Martin Luther am 10.11.1483 geboren werden.

Auf den Trümmern des Römerreiches errichteten die germanischen Franken ihr Reich. Im Jahre 500 n. Chr. ließ sich ihr König Chlodwig I. (Ludwig) mit seiner Ge-folgschaft taufen. St. Martin wurde zum Nationalheiligen der Königsfamilie der Me-rowinger im Frankenreich. Seine Hauptverehrung fällt in die Zeit zwischen 500-600 n. Chr.

Zeugnisse aus dieser Zeit können die Kirchen mit St. Martin als Kirchenpatron sein. Auch die Kirche in Billigheim ist eine uralte Martinskirche. Tritt das Martinspatronat in Verbindung mit alten Dorfnamensendungen -heim oder -ingen auf, so handelt es sich meist um uralte Zeugnisse frühesten Christentums in der Pfalz. Dies ist in Billigheim der Fall, welches eine Ortschaft aus der Landnahmezeit (nach 500 n. Chr.) der Franken in unserem Raum ist. Auch Steinweiler und ursprünglich Ingenheim besitzen solche alten Martinspatronate an ihren Kirchen. Dies legt schon frühestes Christentum der Merowingerzeit hier am Klingbach nahe.

Im Gegensatz zum westlichen Teil des Frankenreiches wo Martin von Tours lebte gingen am Rhein durch die germanische Völkerwanderung die christlichen Gemein-den vielfach ein. So bricht die Information über Christen um 400 n. Chr. in Speyer ab. In Worms haben die Kirchenvertreter nach 400 n. Chr. germanische Namen.

Im Osten des Frankenreiches zwischen Maas, Mosel, Rhein und Main waren Mönche aus Irland und England (wie Disibod, Columban usw.) Bahnbrecher des Christen-tums im damaligen deutschen Urwald. Wenn auch ihre Mitglieder oft an einsamen Plätzen (Zellen) ein asketisches Leben führten, so waren sie keineswegs weltabgewandte Personen, sondern oft starke Einzelpersönlichkeiten, " hochgebildet und stark an Körper und Geist " die bei den " Donarsöhnen der Franken " den Eindruck des kraftspendenden Christus hinterließen. Ihre Priester waren ursprünglich nicht Priester im Sinne der päpstlich-römischen Kirche, sie durften z.B. noch heiraten. Viele Heiden wurden zu Christen und einige bekannte Klöster sind aus solchen Mönchszellen hervorgegangen.
Bekanntester Frankenkönig dieser Zeit war Dagobert I  (629-639 n.Chr.), von welchem noch heute, auch in Billigheim, Legenden erzählt werden.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen der Klöster um 650 n. Chr. eröffnen nun die deutsche Kirchengeschichte. Der Engländer Winfried (mit Heiligennamen Bonifatius) erneuerte um 700 n. Chr. das Bistum Mainz und in der Südpfalz bildeten die Klöster Klingenmünster und vor allem Weißenburg zwei solcher fränkisch-deutschen Urklöster. Nach 600 n. Chr. werden auch Bischöfe der Franken in Speyer genannt.

Eines der ältesten urkundlichen Belege in unserer Gegend ist die erste schriftliche Erwähnung Billigheims vom 01.Mai 693 n. Chr. Sie besagt, daß die drei Kinder des Franken Bodegisel, namens Hildefried, Waldswinde und Mangold dem Mönch Rat-fried für Aufnahme und Erziehung im Kloster Weißenburg, mehrere Besitzungen in Görsdorf, Oberbetschdorf im Elsaßgau und in Billigheim im Speyergau am Rohrbach (gemeint ist höchstwahrscheinlich der Kaiserbach, der damals Rohrbach hieß) schenkten. Der Besitz war Erbe ihres Vaters Bodegisel und Onkels Reinfrieds. Hierzu gehörten auch die Hörigen, Zacio, Waldolpha und Godo.

Bereits 200 Jahre später um 870 n. Chr. wird erstmals eine schon bestehende spätkarolingische Kirche mit Zehntrecht, Herrenhof und Herrenland in Billigheim genannt, mit ca. 36 Freibauernstellen.Um 900 n.Chr. finden wir  einen Lehensmann des Klo-sters Weißenburg in Billigheim, welcher Hilderich hieß und 2 Mansen (ca. 60 Morgen) Land und 15 Eimer Wein zu Lehen erhielt. Seit über 1100 Jahren besteht also Weinbau in Billigheim!

Das herrschaftliche Billigheimer Land ist zwischen Billigheim  und Horbach angegeben, ja selbst hörige Leute aus Mörzheim und Bergzabern (Erstnennung der Kurstadt) sind beim Fron- oder Herrenhof Billigheim mit angegeben, was für dessen entsprechende Bedeutung spricht.

2. Die alte Billigheimer Kirche in vorreformatorischer Zeit.

Nördlich Worms, genau zwischen Guntersblum und Dienheim, liegt am Rhein das große Wahlfeld. Gegenüber , rechtsrheinisch, wählten 1024 n. Chr. die Stämme Deutschlands, von ihren Herzögen angeführt, einen neuen König. Die Wahl fiel auf Konrad II. aus der Hochadelsfamilie der Salier. Konrad II. war in Worms geboren, Herzog von Rheinfranken und Graf des Speyergaues, wozu damals Billigheim gehörte. Dieser Konrad II., oft als Pfälzer auf dem deutschen Kaiserthron bezeichnet, ließ viele Burgen anlegen worunter er z.B. den Trifels als einen zukünftigen Kaiser-sitz ausbauen ließ. An Stelle seiner Stammburg oberhalb Bad Dürkheims baute er ein bedeutendes Kloster. Fast 900 Jahre später sollte an dieser Klosterruine das Pfälzer Heimatlied "Am deutschen Strom, am grünen Rheine, ziehst du dich hin, mein Pfälzer Land", entstehen. Der Legende nach soll der Kaiser noch am gleichen Tage in einem Sturmritt von Bad Dürkheim nach Speyer, den Grundstein zu dessem Kaiserdom gelegt haben.

Konrad II. soll auch in Billigheim eine romanische Kirche erbauen haben lassen. Nachweise hierzu fehlen, fest steht allerdings, daß das älteste Mauerwerk des ehema-ligen Wehrkirchturmes bis in seine Regierungszeit (1024-1039 n. Chr.) zurückgeführt werden kann. Die ältesten Bauteile des Kirchturmes, etwa das unterste Turmdrittel, sind also mindestens 960 Jahre alt.

Unter den nun folgenden deutschen Kaisern wurde die Pfalz für ca. 200 Jahre das Kernland des mittelalterlichen Deutschen Reiches in Europa. In Billigheim selbst besaßen die Reichsklöster Weißenburg und Klingenmünster weiter umfangreichen Landbesitz, welches 1060, 1109, 1179, 1197, und 1217 n. Chr. schriftlich bestätigt wird.

Die hohe Bedeutung des Weißenburger Besitzes unterstreicht z.B. die Urkunde Papst Alexanders III. vom Jahre 1179 n. Chr. an Abt Gundelach: Hier wird unter vielen anderen Besitzungen "der Hof in Bullenkeim mit Kirche und Zubehör, wie auch das Allod (Erbgut) in Rode (Erstnennung Barbelroths)  und die Kirche in Drusweiler mit dem Hof in Klingen genannt", welches "Innonenz und unsere anderen Vorgänger unter den römischen Päpsten und den frommen Königen oder Kaisern nämlich Dago-bert..........Pippin, Karl, Ludwig, Arnulf, Konrad, den 2 Ottonen und 4 Heinrichen für deine Kirche zusammengebracht.........".
Gegeben im Lateran durch die Hand Alberts der heiligen römischen Kirche Kardinal und Kanzler am 06. April, 8. Tag vor den Iden, an der 12. Ankündigung der Fleischwerdung unseres Herrn, im Jahre 1179, im 20. Jahr des Pontifikats des Herrn Papstes Alexander III." Die Urkunden von 1197 und 1217 sind die Bestätigungen späterer Päpste mit fast denselben Worten.

Am 26. Februar 1234 überließ der Abt Kuno vom Kloster Weißenburg "die Kirche zu Bullinkeim" mit Zubehör aber zunächst ohne ihren Zehnten dem Bischof von Speyer, Konrad IV. von Dahn. Die Geschichtsschreiber heben dies als besonderes Geschenk hervor, zumal Bischof Konrad IV. von Dahn enger Vertrauter des deut-schen Kaisers Heinrich VIII. war und oft in dessen Heerlager weilte.

Kurz vor diesem Besitzwechsel der Billigheimer Kirche soll diese 1220 neu errichtet und der Kirchhof befestigt worden sein (wie Eduard von Moor berichtet). Auch hierzu fehlen allerdings direkte Nachweise.

Billigheim gehörte in vorreformatorischer Zeit kirchlich zum bischöflich-speyerischen Landkapitel Herxheim war aber später, zur Zeit der Reformation, selbst Sitz des Landkapitels. Die Priester des frühen und hohen Mittelalters haben wir uns anders vorzustellen als heute. So heißt es in der Satzung des Landkapitels Maikammer von 1345: "2 mal im Jahr versammeln sich die Priester des Landkapitels..... aber ohne Sporen, lange Messer oder Waffen". Kirchenvertreter waren oft weltliche und geistliche Herren zugleich. Von denselben Verhältnissen ist im Landkapitel Herxheim mit Billigheim auszugehen.

Mit seiner mittelalterlichen Wehrpfarrkirche St. Martin, mit angebauter Nebenkapelle (vermutl. St. Johann oder St. Anna geweiht) an der Nordseite gegen die Marktstraße zu, mit Frühmeß- (ursprüngl. St. Marieä) und Nebenaltarpfründen St. Stephan (Pfründe=Kirchenland), war Billigheim seit 1526 auch eigener Dekansitz des Landkapitels! Seit 1450 kurpfälzische Unteramtsstadt erlebte der Ort bis zum dreißigjährigen Krieg eine Blütezeit.

Die Frühmeßpfründe Billigheim wurde 1395 von der Gemeinde gestiftet, als Frühmesser wird Martin, Sohn des Johannes Hagenbuch, genannt. Aus jener Zeit stammen auch die wertvollen Wandmalereien im Chor der Kirche.

Die Kaplanei St. Stephan ist seit 1470 bezeugt. Am 15.12.1508 ist ein zugehöriger Billigheimer Kaplan "Caspar Grosser altaris St. Stephan in Bullickeim" genannt, später ein Judokus Baltz und 1544 war das Kaplaneigut Billigheim dem Bürger Wendel Strauß, Hofprediger in Heidelberg, verliehen. 1555 war das Gut an "Josten Weißbrodt, des schulthaißen sune zu Billigkeim" verliehen "daruff er studiert".

Am 14.12.1472 stritten sich Schultheiß, Schöffen und Gemeinde Billigheim mit dem Domdechanten und Domkapitel Speyer wegen " der Hälfte des dritten Teils" (= 1/6) des Weinzehnts.
Zur mittelalterlichen Plebanie Billigheim gehörte neben der Kaplanei St. Stephan als Nebenaltar in der Kirche Billigheim selbst, die Appenhofener Kaplanei St. Johann und die Mühlhofener Kaplanei St. Nikolaus,  jeweils mit eigener Kirche. Die Mühlhofener Kaplanei wurde allerdings nach 1470 von der Plebanie Billigheim abgetrennt (näheres siehe Kirchengeschichte Mühlhofen). Die drei Billigheimer Altäre und Appenhofen versah der Pleban von Billigheim mit einem Kaplan. Der zweite Kaplan betreute Mühlhofen.

Durch die Übereingnung der Billigheimer Kirche vom Kloster Weißenburg an das bischöfliche Domkapitel in Speyer verblieb später 2/3 des Kirchenzehnt beim Kloster, 1/3 kam an das Domkapitel. Das Kloster Weißenburg verkaufte seinen Zehntanteil dann an das Domkapitel Mainz, welches seinen Anteil dem Domstift Mainz weiterverkaufte und dieses verkaufte ihn dann 1555 an die Kurpfalz.

Der Zehnte, ursprünglich nach der Bibel der zehnte Teil der Einkommen für die Armen, wurde durchs Mittelalter zum Vergaberecht und Schachergut der Herrschen-den untereinander.

Der Kirchenzehntbezirk Billigheim umfaßte Land in den Filialgemeinden Mühlhofen und Appenhofen, sowie abgesteinte Bezirke in Klingen und Heuchelheim, sowie Land in Steinweiler. Auch das Kloster Klingenmünster hatte große, eigens abge-steinte Bezirke innerhalb der Gemarkung Billigheim besessen. Ja selbst Gut des Klo-sters Selz/Elsaß ist mit ca. 46 Morgen erwähnt.

Die entsprechenden Hofgüter des Kirchengutes wurden an eine Reihe von Adeligen (von Weingarten, von Bach, von Mühlhofen) und Ritterorden (Deutschherren, Johanniter) weiterverliehen. Genauere Betrachtungen hierzu würden allerdings den Beitrag zu umfangreich werden lassen. (Näheres über das domkapitularische Gut in Billigheim, siehe Broschüre - "Die Ritterfamilie von Mühlhofen" Kapitel VIII, vom Verfasser herausgegeben).

Als vorreformatorische Priester Billigheims konnten ermittelt werden:

 1364 Claus (evtl. mit Kaplan Hentz)
 1407 Rüdiger, genannt Trumpeter (in der Gemarkung
  Ingenheim gibt es noch einen Trumpeterspadd")
 1411 Merkel Heftells
 1418 Konrad von Salmünster
 1455 Johannes Schaff (oder Scharff)
 1472 Johann Miltenburg
 1507-1517 Peter May
 1517-1546 Theobald Bescher (oder Besther)

3. Die Reformationszeit und die kurpfälzische Unteramtstadt Billigheim

Am 31.10.1517 ließ angeblich Martin Luther seine 95 Reformthesen zuerst an die Schloßkirche zu Wittenberg/Sachsen-Anhalt anschlagen. Daraufhin fand am 26.04.1518 in Heidelberg eine Gelehrtendisputation mit ihm statt. Verschiedene da-mals in Heidelberg studierende Personen wirkten später als Reformatoren, so Martin Butzer in Straßburg und Ökolampadius (deutsch: Husschein) in Basel, Phillip Melanchton (deutsch: Schwarzerd) bei Luther in Wittenberg, Nikolaus Thomä in Bergzabern, Johannes Schwebel im Herzogtum Zweibrücken und der in Billigheim geborene Schüler des Ökolampadius, Theobald Billicanus (Diepold Gerlacher) in Nördlingen.

Als nach dem deutschen Reichstag zu Worms die Anhänger der neuen Lehre zunehmend als Ketzer verfolgt wurden, nahm sich der Kurfürst von Sachsen Luther an und brachte ihn bekanntlich auf die Wartburg in Thüringen. Auch der pfälzische Reichsritter in kaiserlichen Diensten, Franz von Sickingen erklärte seine Ebernburg bei Bad Münster am Stein zur "Herberge der Freiheit" für die protestantischen Prediger. Auf ihr wirkten jetzt u.a. Johann Schwebel und Martin Butzer. Hier soll auch der erste evangelische Gottesdienst in der Pfalz stattgefunden haben. Einige der Vorgenannten kommen später auch bei der Einführung der Reformation in Billigheim wieder ins Gespräch

In der damaligen Reichsstadt Landau predigte ab 1519 Johannes Bader in der Landauer Stiftskirche reformatorisch.
Er wurde verurteilt, gebannt und seine Einkünfte gesperrt. Doch die Landauer standen zu ihrem Prediger, verweigerten seine Auslieferung, bezahlten diesen selbst und wandten sich überwiegend der neuen Lehre zu. 1526 konnte Bader den ersten protestantischen Katechismus herausgeben.

In der großen Reichsstadt Straßburg fand mit Martin Butzer bis 1529 die Einführung der Reformation statt.

Theobald Bescher war in jener Zeit von 1517-1546 Pfarrer in Billigheim und seit 1526 Dekan des Landkapitels. Das Landkapitel umfaßte damals viele Landgemeinden in der Südpfalz. Von Johannes Schwebel, Hofprediger Zweibrückens war bis 1533 das Herzogtum Zweibrücken reformiert worden, dessen Oberämter Guttenberg und Bergzabern ursprünglich zum kirchlichen Landkapitel Herxheim, seit 1526 mit Sitz in Billigheim, gehörten. Im Amt Guttenberg war der Landschreiber des Herzogs, Jakob Schorr aus Minfeld ein eifriger Anhänger der neuen Lehre. Auch in der herzöglichen Oberamtsstadt Bergzabern war der dortige Pfarrer Nikolaus Thomä schon ein Lutherischer. 1538 kamen die Anhänger Luthers aus der Landauer und Bergzaberner Gegend zur Beratung zusammen.

Leonhard Aquila, (Adler), Pfarrer des herzöglichen Unteramtes Barbelroths, (Bruder von Caspar Aquila, des Feldpredigers Franz v. Sickingen) war bis dahin ebenfalls ein eifriger Anhänger der neuen Lehre. Die reformatorische Lehre im Herzogtum Zwei-brücken stand im regen Kontakt mit den Reformatoren um Martin Butzer in der großen Reichsstadt Straßburg. (Von 1523-1529 hatte Butzer auch in der Reichsstadt Weißenburg, welche sich später ebenfalls reformierte, im Sinne der neuen Lehre gepredigt).

Aus den Briefen des Pfarrers von Bergzabern, Nikolaus Thomä nach Straßburg zu seinen Glaubensbrüdern, können wir auch vieles über den Ablauf der Reformation in Billigheim erfahren. So geht aus einem Brief Thomäs an den Straßburger Konrad Hubert am 30.06.1538 hervor, daß Theobald Bescher, Dekan Billigheims, ein eifriger Vertreter der altkirchlichen Lehre war und eifrig bemüht, andere Geistliche im alten Glauben zu erhalten:
" Der alte Pfarrer zu Barbelroth, Leonhard Aquila ist durch den Dekan zu Billigheim, der die Schriften Witzels (eines Gegenreformators) verschlingt, so sehr verführt worden, daß er vor acht Tagen in unserer Gegenwart seine Ehefrau abschwur. Ich hatte mit ihm einen so heftigen Streit, daß wir fast mit den Fäusten aneinander geraten wären.....". Im Jahre 1546 wurde auch in der Kurpfalz die lutherische Lehre einzuführen begonnen. Kurpfälzische Beamte begannen nun die Einführung der Reformation im kurpfälzischen Teil des bischöflichen Landkapitels und der Unteramtsstadt Billigheim. Am 20.04.1546 schrieb hierzu der Bergzaberner Pfarrer Nikolaus Thomä wieder an die Straßburger:
" Von Tag zu Tag wird vom pfälzischen Hofe eine neue Reformation oder Kirchen-ordnung erwartet,..... Diese behalten fast alle papistischen Zeremonien, Gewänder und Gebräuche bei der Feier des Abendmahls des Herrn, die jedoch in deutscher Sprache abgehalten wird, bei, und nennen sie ausdrücklich die deutsche Messe....."

Weiter erfahren wir, daß der Oberamtmann von Germersheim, Heinrich Riedesel von Bellersheim gegen den Billigheimer Dekan " gewaltig losgedonnert" hätte: " er solle seine lateinische Messe abstellen und die deutsche samt den anderen kirchlichen Handlungen feiern."

Der Billigheimer Dekan erwiderte ihm mutig:
"....man solle ihn in seinem alten christlichen Glauben verharren lassen, da ja in der Pfalz und anderwärts sogar die Juden in ihrem Glauben gedultet würden."

Nachdem der Oberamtmann Theobald Bescher noch " einiges heftig erwidert hatte" stritten sich nun beide darüber wer nun größter Ketzer sei.

Im Oktober 1546 drängten die kurpfälzischen Beamten vom Oberamt Germersheim gewaltsam auf die Einführung der neuen Kirchenordnung in ihrer Unteramtsstadt Billigheim. Die Geistlichkeit des Landkapitels Billigheim wandte sich hilfesuchend an den auf der Madenburg weilenden Bischof von Speyer. Doch dies nützte nichts, der alte Billigheimer Dechant (=Dekan) wurde mit Gewalt seiner Pfarrei enthoben.

Das bischöfliche Domkapitel in Speyer protestierte am 05.01.1547 bei dem kurpfälzischen Germersheimer Oberamtmann hierauf. An der Tatsache aber, konnte nichts mehr geändert werden. Ja, es bestand sogar die Gefahr, daß das gesamte Bistum Speyer von der damals mächtigeren Kurpfalz " veeinnahmt" werden könnte. Der damalige Speyerer Bischof hatte sich mehr als weltlicher, wie als geistlicher Oberhirte hervorgetan. Man munkelte sogar er wolle heiraten und sein Bistum verweltlichen, mit der Folge, daß dieses ebenfalls der Reformation anheimgefallen wäre. Dies soll aber an den Priestern des Domkapitels gescheitert sein (Quelle: Kirchengeschichte der Pfalz von L. Stamer).

So wurde zwischen dem Bischof von Speyer und dem Kurfürsten von der Pfalz am 25.08.1547 eine Vereinbarung über das Collaturrecht (= Recht die Pfarrer zu ernennen) getroffen: Der Bischof von Speyer ernennt in Pfarreien der Kurpfalz protestantische, der Kurfürst von der Pfalz im Gebiet des Fürstbischofs katholische Prediger. Demgemäß mußte das Domkapitel in Speyer für Billigheim "neugläubige" Pfarrer vorschlagen. Welcher Pfarrer im Jahre 1548-1550 in Billigheim weilte ist nicht bekannt, nur so viel, daß man mit ihm, aus welchen Gründen auch immer, nicht zufrieden war.

So wurde im Jahre 1550 Johannes Rörich erster bekannter protestantischer Pfarrer Billigheims. Ihm folgte 1564-1578 Sigismund Kintinger. Der Grabstein Kintingers ist bis heute in der Billigheimer Kirche erhalten geblieben.
Bei der Erneuerung der Festungswerke Billigheims wurde 1559 auch der Kirchturm erhöht. Oberhalb des Glockenstuhles wurde eine Türmerwohnung (Stube) aufgesetzt. Bemerkenswert ist noch, daß Anfang des 16. Jahrhunderts das heute noch bestehende Kirchenschiff der alten Billigheimer Kirche erbaut wurde.

4. Die Martinskirche Billigheim im Zeitenwandel bis heute.

Nachdem die Reformation in Billigheim durchgeführt war, wurden 1557 die Pfarrpfründen neu geordnet. Die alte St. Stephan-Frühmesspfründe hatten fortan die reformierten Diakone zu Nutzen, welche anfänglich in Billigheim auch die ersten Schulmeister waren.Ein reformiertes Diakonat bestand in Billigheim noch bis zur Gegenreformation 1620.

Bis zum 30-jährigen Krieg hat sich das Religionsbekenntnis in der Kurpfalz und somit auch in Billigheim mehrmals geändert. Von der alten Kirche ca. 1546-1550 endgültig zum Luthertum, dann zwischen den bis 1818 bestehenden beiden protestantischen Richtungen Lutheranern und Calvinisten (bzw. Reformierte) wechselnd (1564 calvinistisch, 1576 lutherisch, 1583 calvinistisch) was sich für die protestantische Bewegung nicht vorteilhaft erwies.

Der erste protestantische Pfarrer Billigheims Johannes Rörich mußte im Alter noch seine Absetzung erleben, da er sich als lutherischer Pfarrer weigerte, 1564 bei Einführung der calvinistischen Kirchenordnung in der Kurpfalz, diese in der Billigheimer Kirche einzuführen.
Im dreißigjährigen Krieg wurde der protestantische Teil der Pfalz gleich zu Anfang, von katholischen spanischen Truppen unter kaiserlich-österreichischem Kommando, besetzt. Kaiserliche Kroaten setzten der gesamten deutschen Bevölkerung erheblich zu. Das kurpfälzische Oberamt Germersheim mit dem Unteramt Billigheim unterstand fortan dem katholischen Erzherzog Leopold mit kurzer schwedischer Unterbrechung (1631-35).

Christoph von Sötern, Bischof von Speyer und Erzbischof von Trier paktierte mit den Franzosen und verlängerte so den 30-jährigen Bruderkrieg der Deutschen untereinander. Die Billigheimer Einwohner waren zum Ende des Krieges zu ca. 80% Kriegswirren Hunger und Seuchen (Pest 1635) erlegen.

Zwischen 1648-1713 begann der geeinte französische Nationalstaat seine Staatsgrenze von der Maas ins Elsaß zum Rhein vorzuverlegen mit den entsprechenden Grenzlandfolgen für Billigheim. Frankreich war seit der Regierung Ludwig XIV. gegenreformatorische Macht und seit 1685 wurde auch das pfälzische Kurfürstenhaus katholisch. Von 1682-1697 unterstand Billigheim der Lehenshoheit der französischen Krone. Die Billigheimer Martinskirche wurde in dieser Zeit 1674 zerstört, 1682 wieder instandgesetzt, um dann ca. 1695  eine Simultankirche zu werden, d.h. beide Konfessionen hatten Eigentumsrechte an der Kirche.
Im Friede von Ryswik wurde dann das Simultaneum an der Billigheimer Kirche rechtlich bestätigt.

Nachdem vorher durch die Reformation die Katholiken Billigheims keine Kirche mehr hatten, wurde ihnen das Recht am Chor der Kirche zugesprochen, später, vielleicht unter der radikal-calvinistischen Regierungszeit des Kurfürsten Friedrich III. (1559-76) muß die Billigheimer Martinskirche ganz in den Besitz der Protestanten übergegangen sein, da Nachrichten über Katholiken in Billigheim nach dieser Zeit bis zum dreißigjährigen Krieg nicht mehr ausfindig gemacht werden konnten.

Erst in der Zeit der kaiserlichen Besetzung Billigheims während des dreißigjährigen Krieges finden sich wieder Nachrichten über die Betreuung einzelner katholischer Bürger Billigheims durch Augustinermönche aus Landau. Nach dem Kriege verstärkte sich dann der Zuzug von Katholiken nach Billigheim aus dem Allgäu, Bayern und Schwaben. Laut einem alten Presbyterprotokoll von 1829 sollen sich die Billigheimer Katholiken zuerst die alte nordseits angebaute Seitenkapelle der alten Billigheimer Kirche wiederhergerichtet haben bis dann, bei Einführung des Simultaneum die Martinskirche zwischen beiden Konfessionen geteilt war, die Katholiken besaßen den Chor, die Protestanten das Kirchenschiff. Die alte Kapelle wurde hernach abgerissen.

Über die nach dem dreißigjährigen Krieg entstandene Hugenottenkolonie in Billigheim wird in einem anderen Beitrag  berichtet. Zur Zeit der französischen Eroberungskriege des Gegenreformationszeitalters betreuten zeitweilig die Pfarrer der zahlreich eingewanderten französisch sprechenden Protestanten die deutsch sprechende protestantische Bevölkerung Billigheims mit und später, als sich die Anzahl der deutschsprechenden wieder zunehmend erhöhte geschah dies umgekehrt.

Am 06.06.1686 wurden die protestantischen Pfarrer Billigheims ausgewiesen. 1701 waren von 24 protestantischen Pfarrern im Oberamt Germersheim noch 5 in Stellung, wozu einer zu Billigheim gehörte. Doch gerade die Unterdrückungen der Gegenreformation waren es, welche die Protestanten, ob deutscher oder französischer Ab-stammung, zunächst zu einer einheitlichen deutschen Schicksalsgemeinschaft heranreifen ließen. Heute, 300 Jahre, oder 8-13 Generationen danach, ist mittlerweile hieraus längst noch zusätzlich eine deutsche Abstammungsgemeinschaft erwachsen, in der nur noch teilweise der vornehm klingende französische Familienname erhalten blieb. Mit dem Religionsvertrag von 1705 fand das Gegenreformationszeitalter nun sein Ende und das Ringen um Toleranz zwischen den Religionen begann.

Seit dem 28.04.1710 bestand , als erste lutherische Gemeinde im Oberamt Germersheim, in Billigheim wieder eine eigene lutherische Gemeinde unter Pfarrer Christian Thomä, welcher von Schwegenheim nach Billigheim kam. So befanden sich im 18. Jahrhundert drei protestantische, nämlich die deutsch-Reformierten, die französisch Reformierten und lutherische Kirchengemeinde, und als viertes die katholische Kirchengemeinde in Billigheim.

Die lutherische Pfarrei Billigheim gehörte zur Inspektion Germersheim. Zur lutherischen Inspektion Billigheim gehörten 1784 noch Appenhofen, Impflingen, Ingenheim, Klingen, Rohrbach, Steinweiler und Erlenbach.

Die Billigheimer Lutheraner besaßen in der Bergstraße eine eigene Kirche, dabei ein eigenes Pfarr- und Schulhaus an der Stelle, wo heute der Garten Kuhn ist. Die lutherische Kirche Billigheim bestand von ca. 1720 ab bis zum Jahre 1820. Sie war der "Concession gemäß nur aus Riegelwänden (Fachwerk)"gebaut und durch Spenden der lutherischen Kirchengemeinde erstellt. Bei der Vereinigung beider protestantischer Konfessionen in Jahre 1818, wurde die lutherische Kirche Billigheim 1820 abgebrochen und versteigert.

Im Jahre 1786 wurde in Billigheim das alte reformierte Pfarrhaus abgerissen und an dessen Stelle aus Kollekten und Mitteln der reformierten Kirchegemeinde ein neues gebaut. Heute ist es das Anwesen des Kunstmalers Otfried Culmann. Im Mittelalter befand sich an dieser Stelle das Haus des Frühmeßers oder das Frühmeßgut in Billigheim.

Mit der französischen Revolution begann auch in Billigheim eine Zeit des Umbruchs und der politischen Wirren.
Die protestantischen Pfarrer Billigheims begrüßten zunächst die neuen Ideen, ohne deren späteren antikirchlichen Terror zu ahnen.
Der reformierte Pfarrvikar Philipp Hofmeister, sowie der lutherische Pfarrer Christian Nikolaus Kranig, galten als "berüchtigte Republikaner". Es sei noch erwähnt, daß Letzterer z.B. im April 1793 in Billigheim eifrig eine Rede abhielt, in der er "tüchtigauf die Fürsten und Aristokraten (deren Anhänger) losdonnerte".
Nach Umschwung der militärischen Lage wurde Pfarrer Kranig von aristokratischen Truppen mit verschiedenen Billigheimern und anderen Patrioten (Anhänger der Republik) verhaftet, mißhandelt und ins Gefängnis nach Mannheim geschleppt, wo er im Armenhospital starb. (Geburtsort Kranigs war Schleusingen, nahe Hinternah in Thüringen).

Kaum ein Jahr später, als französische Revolutionstruppen nach Billigheim zurückkehrten, trat regelrechter Terror gegen Zivilisten und alle Konfessionen ein. Kurzzeitig erklärte man sogar die herkömmlichen Religionen für abgeschafft (vom 12.01.1794-07.05.1794) und enthob die katholischen und protestantischen Pfarrer ihres Amtes, führte diese aber, als die Laster überhand nahmen, schleunigst wieder ein. Nachfolger Kranigs wurde Samuel Köster, ein Anhänger der neuen Ideen, weshalb er ins französisch besetzte Billigheim floh. Später war er Friedensrichter in Colgenstein.

Einen Einblick in die Wirren der Revolutionszeit, welche die Kirchengemeinde Billigheim betrifft, gibt uns Eduard von Moor in seiner Beschreibung der Ortsgeschichte von Billigheim:
Im Jahre 1794 wurden von den Revolutionsmännern die Kirche ihres Schmuckes beraubt und geschändet. Das Kreuz wurde vom Turm heruntergeholt, Altäre und Heiligenbilder zertrümmert und auf dem Kirchhof in Haufen verbrannt. Die Feldkreuze zusammengeschlagen und die Kirchengefäße hinweggenommen. Griechische Gottheiten in lebensgroßen Bildern wurden im Chor der Kirche aufgestellt und in makabrer Orgelbegleitung Freiheitsreden gehalten und Freiheitslieder gesungen.
Die Kirchenglocken (bis auf eine) wurden nach Straßburg gebracht und in Kriegseisen umgegossen. Hierfür wurde dem Kirchturm eine große Freiheitskappe (Kokarde) aus rot bemaltem Blech aufgesetzt. Als mit Kaiser Napoleon vorerst wieder Ruhe in die politische Umwälzung gelangte, wurde die Kokarde 1802 entfernt und noch einige Zeit im Rathausschrank als Reliquie aufbewahrt.

1827 wurde der heutige Friedhof in Billigheim errichtet. Sein Träger ist die politische Gemeinde Billigheim. Der Vorgängerfriedhof befand sich angeblich von 1666 (große Pest!) ab bis 1827 gegenüber, wo sich heute die Landmaschinenfabrik Fehrenbach befindet. Vor 1666 waren die Friedhöfe aller Konfessionen um die Kirche und zwar: "der Teil nördlich von der Umfassungsmauer bis zur Kirche war den Lutheranern, von da an bis zum südlichen Eingang der Kirche den Reformierten und von hier aus bis zur östlichen Mauer den Katholiken zugeteilt."

Im Jahre 1818 vereinigten sich die beiden evangelischen Konfessionen Lutheraner und Calvinisten oder Reformierte zur Protestantischen Landeskirche der Pfalz. So auch in Billigheim. Die Protestanten Mühlhofens und Billigheims bildeten fortan (spätestens 1820) die protestantische Kirchengemeinde Billigheim-Mühlhofen bis heute, welche sich seit Neuestem in evangelische Kirchengemeinde Billigheim-Mühlhofen umbenannte.

1895 baute die protestantische Kirchengemeinde Billigheim-Mühlhofen ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung. An gleicher Stelle stand ab 1832 das alte. Zuvor war das protestantische Schulhaus im heutigen Anwesen Bickel unterhalb des ehemaligen protestantischen Pfarrhauses. Das katholische Schulhaus befand sich in der Bahnhofstraße im jetzigen Anwesen Werle. Es wurde 1755 von Georg Fuchs von der katholischen Pfarrgemeinde gekauft und diente auch als Lehrerwohnung.

Am 23.05.1887 und 23.04.1900 schlug der Blitz in den 38 m hohen Kirchturm zu Billigheim ein. Die entstehenden Brände konnten rechtzeitig von der freiwilligen Feuerwehr Billigheim gelöscht werden. Heute ist der alte Kirchturm durch Blitzableiter gesichert.

1892 erneuerte man Dachwerk und Inneres der Billigheimer Simultankirche, umfangreiche Erneuerungen fanden dann 1962-1965 statt (siehe folgendes Kapitel).

Das Benutzungsrecht der Simultankirche Billigheim war folgendermaßen geregelt: Sowohl vormittags als nachmittags zuerst den Protestanten, sodann den Katholiken zur Verrichtung ihrer entsprechenden Religionshandlungen.
Chor und Sakristei der Simultankirche gehörten den Katholiken, das Kirchenschiff den Protestanten, für den Unterhalt mußte die politische Gemeinde Billigheim aufkommen.

Im Jahre 1960 wurde das Simultaneum an der alten Martinskirche Billigheims gelöst. Die Billigheimer Katholiken bauten sich in der Hindenburgstraße 1962 eine neue Kirche mit Pfarrhaus. Seither ist die Martinskirche Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde. Zu erwähnen sei noch der 1832 errichtete Plattengang zwischen Billigheim und Mühlhofen aus alten Grabsteinen des Billigheimer Kirchhofes, er wurde später durch die Verbindungsstraße Bahnhof-Maußhardsche Mühle abgelöst.

5. Vor 30 Jahren:

Die Rettung des alten Kirchturmes der Martinskirche Billigheim 1960-1962.

Der folgende Bericht stützt sich im wesentlichen auf die Ausführungen Herrn Architekts Scheid in der Festschrift zur Wiederindienststellung der Billigheimer Martinskirche 1965. Die Ereignisse, sollen ihrer Bedeutung wegen den Billigheimern nochmals in Erinnerung gerufen werden.

Schon seit längerer Zeit war in Billigheim von der "baufälligen Kirche" die Rede, da sich nach dem II. Weltkrieg immer deutlicher altersbedingte bauliche Mängel an ihr zeigten.
Durch Verordnung des Landesamtes Bad Bergzabern wurde die alte Billigheimer Kirche 1957 wegen des Gefahr drohenden Zustandes seiner Zweckbestimmung entzogen. So fanden die Protestanten Billigheims in der Mühlhofener Filialkirche hilfsbereite gastliche Aufnahme.

Im September 1960 wurde vom Protestantischen Landeskirchenrat der Pfalz die Zusage zur Vorbereitung der Renovierung der Billigheimer Kirche erteilt. Im Zuge der Ausbauarbeiten im Inneren sollte gleichzeitig die Sanierung des Turmes erfolgen, aber es kam ganz anders:
Der Dringlichkeit wegen wurde von den Zimmermeistern Willi Müller, Billigheim und Arnold Scheid, Winden, die Instandsetzungsarbeiten des Dachgebälkes im "Helmdach des Turmes" im Vorgriff durchgeführt, was sich als schicksalhaft erwies. Ende Oktober 1960 konnte die morsche Dachkontruktion und Ziegeln des Kirchenschiffes unter "rühriger Mithilfe vieler Gemeindeglieder" erneuert werden.
Im Frühjahr 1961 rumorte der Turm mehr und mehr und an seiner Südseite zeigte sich eine kräftige Ausbauchung von den Billigheimern "die Beule" genannt. Diese weitete sich nach und nach aus. Für die Kirche herrschte fortan unbedingtes Läuteverbot, da Schlimmstes für den Turm und die Sicherheit zu befürchten war. Eine Frankfurter Spezialfirma, die schon mehrere Dome erfolgreich saniert hatte, wollte die Verantwortung nur noch bedingt übernehmen.
Der 13.08.1961 war der Schicksalstag des über 960 Jahre alten Billigheimer Kirch-turmes. "Die Beule" brach um die Mittagsstunde auf und mit einem dumpfen Grollen stürzten die Steine des Turmes auf das Chordach. An der Südseite des Turmes klaffte nun ein 50-56 qm großes Loch, über 10 m hoch, höchste Einsturzgefahr bestand. Und doch war das Unglück mit dem Glück gepaart. Das neue Turm- und Chorgebälk verhinderte den Einsturz des Kreuzrippengewölbes der Kirche!
Schon am 20.07.1961 fand eine tragische Ortsbesichtigung aller beteiligten Stellen und Ämter statt. Das abschließende Sachverständigengutachten endete mit den Worten "so bleibt aus Sicherheitsgründen für den obersten Teil des Turmschaftes einschließlich Turmhelm nur die Sprengung!" Innerhalb acht Tagen sollte die Sprengung durchgeführt sein.
Aber: kein Unternehmen konnte gefunden werden, welches in so kurzer Zeit, ohne Gefahr, dies durchführen konnte. Die Billigheimer begannen ihrem Kirchturm wieder die Daumen zu drücken. Das Presbyterium hatte am gleichen Abend des 20. Juli noch beschlossen, einen weiteren Sachverständigen mit einem Gutachten zu beauftragen.
Da erklärte sich, auf das Ansuchen der Kirchengemeinde, Herr Prof. Dr. Ing. Franz und Dr. Ing. Müller von der Technischen Hochschule Karlsruhe nach langem Bemühen bis September 1961 bereit, die Sanierung des Turmes in Aussicht zu stellen.
Die Fa. Dyckerhoff & Widmann nahm im November 1961 die "gefahrdrohende mühevolle Arbeit in luftiger Höhe bei wunderlichem Wetter" auf. Mitte Februar 1962 war das Meisterwerk beendet, der Turm war wieder zu. Ostersonntag waren die Turmsanierungsarbeiten abgeschlossen.
Das älteste Bauwerk Billigheims war gerettet!

Die folgenden Renovierungsarbeiten an der Billigheimer Martinskirche zogen sich nun bis 1965 hin. Am 12.09.1965 fand dann ein feierlicher Festgottesdienst in der gründlich erneuerten Kirche statt.

So möge bis heute die altehrwürdige Billigheimer Martinskirche weiter ihren Besuchern Gottesdienst und Besinnung bieten, welche somit immer wieder im alltäglichen Leben christliche Kraft gewinnen mögen. Zu Ehren Gottes.

Siegfried Vater

 

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